Was genau macht Google so reizvoll, Dienste des als Datenkrake verschrieenen Internetriesen zu nutzen? Das mittlerweile weltweit zu einem der mächtigsten und wertvollsten Konzerne aufgestiegene Google bietet sämtliche Dienste kostenlos an, was derartig in diesem Umfang bei keinem Konkurrenten zu finden ist. Doch was bieten Googles Dienste wirklich? Gibt es überhaupt noch vergleichbare Leistungen von Konkurrenten, welche nicht ständig wegen mangelndem Datenschutz in der Kritik stehen? Oder bleibt dem modernen Internet-User nichts anderes übrig, als sich mit den Funktionalitäten von Google vertraut zu machen, um erfolgreich online agieren zu können? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, stellt das MECK in einer Beitragsserie die beliebtesten Angebote Googles vor und vergleicht sie mit im Netz verfügbaren Alternativen. Dieser Teil untersucht Google Mail (gmail) und die entsprechende Konkurrenz.
Weitere Teile der Serie
- Teil 1: Einführung
- Teil 2: E-Mail (Google Mail)
- Teil 3: Kalender (Google Kalender)
- Teil 4: Maps (Google Maps)
- Teil 5: Internet-Browser (Google Chrome)
- Teil 6: Webanalysen (Google Analytics)
- Teil 7: Zusammenfassung
E-Mail Dienste
E-Mails sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Weder private noch geschäftliche Kommunikation kommt ohne dieses weltweit etablierte und schnelle Kommunikationsmittel aus. Google Mail sowie die alternativen Provider ähnlicher E-Mail-Dienste besitzen einen oftmals enormen Funktionsumfang, welcher in diesem Artikel nur selektiv angesprochen werden kann. Hauptaugenmerk sollen deshalb vor allem zentrale Kundenanforderungen erhalten, welche eine entscheidende Rolle im täglichen Umgang mit dem Medium E-Mail spielen.
Google Mail und Alternativen: GMX, Web und Yahoo
Merkmale
Fällt die Entscheidung zugunsten von Googlemail, erwartet den Nutzer ein beinahe unerschöpflicher Speicherplatz mit aktuell 7,5 GB, welcher täglich weiter wächst, damit nicht eine E-Mail jemals gelöscht werden muss. Darüber hinaus bietet Google ein bis dato unerreichtes Alleinstellungsmerkmal, welches es erlaubt, gelesene E-Mails in einem Archiv, nach Konversationen sortiert, für eine spätere Einsicht vorzuhalten. Das besondere dabei jedoch ist, dass die archivierten E-Mails in einem eigenen Ordner verbleiben und somit wirklich nur die primären, noch abzuarbeitenden Nachrichten den Posteingang bevölkern. Dieses Feature, in Kombination mit der ebenfalls vorhandenen, perfekt umgesetzten Suchfunktion erlaubt ein höchst produktives und effizientes E-Mail-Management.
Der Speicherplatz bei kostenlosen Mail Angeboten der Alternativen kann Google nicht das Wasser reichen. GMX liefert einen akzeptablen Speicherplatz von 1 GB mit unbegrenzter Vorhaltedauer (nach individueller Einstellung), wohingegen die gelieferten 12 MB von Web selbst für den gelegentlichen Mail-Benutzer viel zu wenig sind. Mehr Speicherplatz bieten nur die kostenpflichtigen Pro-Varianten beider Anbieter. Yahoo Mail sticht beim Thema Speicherplatz heraus und bietet diesen unbegrenzt und kostenlos an. Die maximale Größe von Anhängen ist bei Google, Yahoo und GMX jeweils auf 25 MB begrenzt. Web.de macht großen Anhängen allein schon durch den geringen angebotenen Speicherplatz einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.
Usability
Als Nutzer ist man bei Google nicht auf zusätzliche E-Mail Clients wie Outlook angewiesen, sondern kann die gesamte Korrespondenz installationsfrei direkt über die browserbasierte Anwendung abwickeln. HTTPS erlaubt dabei den sicheren, verschlüsselten Datenaustausch und AJAX erweiterte Funktionen, die man sonst nur von lokalen Applikationen kennt. Neue E-Mails erscheinen fast ohne Zeitverzug und Zutun des Nutzers im Posteingang, das manuelle Drücken eines Aktualisierungsknopfes und zeitverzögert empfangene E-Mails gehören damit der Vergangenheit an.
GMX, Yahoo und Web bieten ebenfalls eine browserbasierte Abwicklung der Mail-Funktionen. Allerdings muss der jeweilige Nutzer zum Abrufen neuer Mails jeweils manuell den Aktualisierungsknopf im Posteingang drücken. Eine automatisierte Funktionalität ähnlich, aber nicht ganz so schnell wie Google kann demnach nur durch zusätzliche Mailprogramme wie Microsoft Outlook oder Mozilla Thunderbird erreicht werden.
Synchronisation/ Mobile Endgeräte
Auf mobilen Endgeräten möchte man als Nutzer jedoch gerne den integrierten Mail-Client nutzen, um den Mehrwert der integrierten Lösung auszunutzen. Die Anbindung des E-Mail-Kontos geschieht hierbei durch gängige Schnittstellenspezifikationen. Neben den verbreiteten Varianten wie POP und IMAP lassen sich die Googles Server ebenfalls kostenlos per SSL-verschlüsseltem Microsoft Exchange einbinden. Ein entsprechend ausgerüstetes Smartphone vorausgesetzt, lassen sich auf dieses Weise sogenannte Push E-Mails empfangen. Das bedeutet, dass das Mobiltelefon, ähnlich wie bei einer SMS, neue Nachrichten ohne Verzug vom Server zugeschoben, also „gepusht“ bekommt. Ein manuelles, zeitgesteuertes Abrufen der E-Mails ist somit nicht mehr notwendig.
GMX bietet den beschriebenen Push-Service nur in der kostenpflichtigen Variante des Mailservice an. Web und Yahoo bieten zu diesem Dienst grundsätzlich keine näheren Informationen. Erfreulicherweise bietet die Free-Mail Variante von GMX entgegen allen Konkurrenten nach einem kostenlosen Upgrade ein monatliches SMS-Kontingent an, das über das E-Mail-Portal an beliebige Endgeräte versendet werden kann. Für intensive Nutzer mobiler Smartphones in Verbindung mit E-Mail-Aktivitäten ist jedoch ein Google Mail Account aufgrund der beschriebenen Vorteile unumgänglich – sofern es kostenlos bleibt.
Spam-Filter und Advertising (Werbung)
Damit der Nutzer aber nicht andauernd von ungebetenen Nachrichten von seiner eigentlichen Arbeit abgelenkt wird, bietet Googles E-Mail-Dienst ausgefeilte Filtermechanismen, welche Junk-Mails und Spam-Nachrichten automatisiert blockieren und herausfiltern. Der Filtermechanismus verbessert sich dabei kontinuierlich bei jeder neuen, von einem Nutzer manuell als Spam klassifizierten E-Mail, so dass die Qualität stetig zunimmt. Neben diesen automatisierten Schutzmechanismen können jedoch auch manuelle Filter eingerichtet werden, in diesem Kontext auch um E-Mails automatisiert mit Labels zu versehen. Damit die kostenlose Nutzung aufrecht erhalten werden kann, setzt Google Werbung zur Finanzierung des Dienstes ein. Störende Pop-Ups, blinkende Bannerwerbung oder in versendete E-Mails eingebettete Werbetexte, wie bei anderen Anbietern üblich, vermeidet Google jedoch gänzlich. Lediglich vereinzelte, kontextbezogene Werbung in Textform muss der Nutzer über sich ergehen lassen.
GMX und Web versehen in ihrem kostenlosen Angebot jede über die browserbasierte Mailfunktion versendete Mail mit einem störenden Werbetext am Ende der Nachricht. Abhilfe kann hier nur durch die jeweiligen kostenpflichtigen Varianten oder durch die Benutzung eines zusätzlichen E-Mail-Programms wie z. B. Mozilla Thunderbird oder Microsoft Outlook geschafft werden. Allerdings arbeitet der Spamfilter beider Alternativen zwar relativ effektiv und bietet ebenso manuelle Einstellungsmöglichkeiten, jedoch ist der Gesamteindruck von Googles Anti-Spam-Maßnahmen ausgereifter.
Video zu den Einstellungsmöglichkeiten in Google Mail
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=MpC7eQSVQPk
Quo Vadis, Mail?
Firmenkunden haben mehr noch als Privatkunden verstärkte Anforderungen in Bezug auf Funktionalität und Sicherheit. Rein technisch betrachtet, bietet Google neben der Fülle von Standardfunktionen erweiterbare Funktionalitäten. So lässt sich nicht nur mehr Speicherplatz gegen Entgelt hinzubuchen, sondern auch auf spezielle Firmenanforderungen zugeschnittene Lösungen durch Drittanbieter zukaufen bzw. über Googles Marketplace anmieten. Die technische Sicherheit wird dabei durch etablierte Standards wie SSL sichergestellt. Google hat dabei jedoch teilweise mit Vorurteilen und Urban Legends mancher Internetsurfer zu kämpfen. So hält sich etwa das Gerücht, Google würde die Nutzungsrechte der E-Mail-Inhalte bei der Benutzung des Dienstes einfordern. Das dies jedoch nicht stimmt und wirklich nur ein Gerücht ist, lässt sich auf einer offiziellen Seite von Google Mail nachlesen.
Die ebenfalls kostenlosen Konkurrenten sind meistens ausschließlich auf Endkunden ausgelegt und lassen nur wenig Spielraum für kostenpflichtige Upgrades, die Unternehmen langfristig zufrieden stellen können. Neben Google bleiben für professionelle Anwender mitunter nur die Alternativen eines eigenen Mailservers oder kommerzielle E-Mail Dienste diverser Anbieter. Für private Endkunden, die auf der Suche noch einem kostenlosen Maildienst sind und der begründeten mangelhaften Datenschutzpolitik von Google kritisch gegenüber stehen, ist der Dienst von Yahoo einen näheren Blick wert: Er kann in nahezu allen Disziplinen im Vergleich zu Google mithalten und bietet darüber hinaus als einziger Anbieter kostenlos unbegrenzten Speicherplatz. GMX und Web (Web jedoch mit stark limitiertem Speicherplatz) bieten sich für den einfachen Mailnutzer ebenfalls an, sind allerdings in ihren kostenlosen Varianten hinsichtlich Funktionalität stark beschnitten und versehen jede über die Weboberfläche versendete Mail mit einem störenden Werbetext.
Weitere Teile der Serie
- Teil 1: Einführung
- Teil 2: E-Mail (Google Mail)
- Teil 3: Kalender (Google Kalender)
- Teil 4: Maps (Google Maps)
- Teil 5: Internet-Browser (Google Chrome)
- Teil 6: Webanalysen (Google Analytics)
- Teil 7: Zusammenfassung











