Google Dienste und Alternativen im Vergleich – Internet-Browser “Chrome”

6 Aug

Was genau macht Google so reizvoll, Dienste des als Datenkrake verschrieenen Internetriesen zu nutzen? Das mittlerweile weltweit zu einem der mächtigsten und wertvollsten Konzerne aufgestiegene Google bietet sämtliche Dienste kostenlos an, was derartig in diesem Umfang bei keinem Konkurrenten zu finden ist. Doch was bieten Googles Dienste wirklich? Gibt es überhaupt noch vergleichbare Leistungen von Konkurrenten, welche nicht ständig wegen mangelndem Datenschutz in der Kritik stehen? Oder bleibt dem modernen Internet-User nichts anderes übrig, als sich mit den Funktionalitäten von Google vertraut zu machen, um erfolgreich online agieren zu können? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, stellt das MECK in einer Beitragsserie die beliebtesten Angebote Googles vor und vergleicht sie mit im Netz verfügbaren Alternativen. Dieser Teil untersucht den Internet-Browser “Google Chrome” und die entsprechende Konkurrenz.

Weitere Teile der Serie

Bedeutung von Internet-Browsern

E-Mails abrufen, Informationsbeschaffung, Kommunikation und Geschäftsabwicklung: Viele Anwendungen und Transaktionen funktionieren mittlerweile nur noch über das Internet und sind notwendiger Bestandteil jedes erfolgreichen Unternehmens. Die Kommunikation mit dem Internet erfolgt dabei über spezielle Softwareprogramme, zu denen sogenannte Browser gehören. Browser sind spezielle Programme, die primär die Funktion besitzen, dem Benutzer das Betrachten von Webseiten über eine bestimmte Benutzeroberfläche zu ermöglichen.

Der wohl bekannteste und erste Browser, der Microsoft Internet Explorer, ist seit Mitte der Neunziger Jahre ein fester und integrierter Bestandteil der Windowsprodukte, die wiederum weltweit auf über 90% aller Computer installiert sind. Diese früher unangetastete Dominanz des Internet Explorers ist mittlerweile seit mehreren Jahren geknackt: Derzeit existieren mehrere Konkurrenten, die ihre Sache mindestens genauso gut erledigen. Auch Google mischt sich seit knapp zwei Jahren mit “Google Chrome” ins Browser-Geschäft ein. Dieser Teil des Google Dienste Vergleichs untersucht diesen Browser und vergleicht die Funktionalitäten und andere Features mit dem am Markt meist genutzten Konkurrenten (Microsoft Internet Explorer, Mozilla Firefox, Apple Safari und Opera).

Marktanteile

Marktanteile von Internet-Browsern; Quelle: "http://www.netmarketshare.com/chartfx62/temp/CFT0804_050601120A6.png"

Browser-Konkurrenten gibt es viele. In diesem Artikel werden die fünf Browser mit dem meisten Marktanteil verglichen. Der Platzhirsch von Microsoft (Internet Explorer) konnte in letzter Zeit nach Marktverlust wieder leicht zulegen. Auf Platz zwei reiht sich Mozilla Firefox mit einem Marktanteil von knapp 25% ein. Google Chrome verzeichnet auf dem dritten Platz einen derzeitigen Marktanteil von gut 7%, wohingegen Apples Safari und Opera derzeit die Schlusslichter mit 5% und 2% bilden. Die Zahlen weichen bei Untersuchungen diverser Quellen leicht ab, in der Reihenfolge der Browser sind sich jedoch alle Marktstudien einig.

Usability und Features

Googles Chrome ist in seiner aktuellen Version 5 nach wie vor sehr schlicht gehalten und einfach zu benutzen. Der Benutzer wird somit kaum von optischem „Schnickschnack“ oder aufgeblähten Funktionen abgelenkt. Die neuste Version unterstützt das Tabbed-Browsing und aktualisiert sich von selbst. Gleichzeitig wird man sehr gut vor Browserabstürzen bewahrt – Unterfenster werden in Chrome als getrennte Prozesse behandelt, sodass ein Fehler in einem isoliert behandelten Tab nicht das übergeordnete Browserfenster zum Absturz bringt. Weiterhin ist Google Translate integriert, welches anderssprachige Webseiten signalisiert und bei Bedarf bequem übersetzt. Ebenfalls ist eine  „Top-Sites“ Funktion enthalten, meist genutzte Seiten werden übersichtlich angezeigt. In Sachen Erweiterbarkeit durch Add-Ons hat Googles Chrome mächtig zugelegt. Mittlerweile sind eine Vielzahl von kostenlosen optischen und funktionalen Erweiterungen für den Browser verfügbar.

Mittlerweile beherrschen alle Browser das Tabbed-Browsing. Eine Top-Sites Funktion bieten die Konkurrenten Opera und Safari ebenso. Diese zeichnen sich zusammen mit Googles Chrome durch die wohl innovativsten Features aus. Bei der Unterstützung neuster Standards wie HTML 5 können alle Browser bis auf den Internet Explorer punkten.  Weiterhin ist anzumerken, dass Google Chrome und alle aufgeführten Konkurrenten einen hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit für ihre potentiellen Nutzer bereitstellen. Hinsichtlich dieser Kriterien und oberflächlich betrachtet ist daher kein bestimmter Browser hervorzuheben.

Ein wichtiges Thema für Internetnutzer ist weiterhin die optische und funktionale Erweiterbarkeit des Browsers. Hierbei ist der Firefox in seiner aktuellen Version nach wie vor Googles Lösung (trotz deutlicher Verbesserung in diesem Bereich) und der Konkurrenz überlegen. Dem Benutzer steht das größte Arsenal an kleinen Zusatzprogrammen, den sogenannte “Add-Ons”, zur Verfügung. Mit deren Hilfe kann der Browser mit zusätzlichen Funktionen ausgestattet und die Internetnutzung damit auf die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden. Dieser Pool an Zusatzfunktionen wächst dabei ständig an und bringt kontinuierlich neue Möglichkeiten mit sich.

Geschwindigkeit und Ressourcenbelastung

Googles Chrome ist bereits seit der ersten Version im Jahre 2008 außergewöhnlich schnell und legt mit jeder Version kontinuierlich an Geschwindigkeit hinsichtlich Seitenaufbau zu. Hierbei können die Konkurrenten nur zum Teil das Wasser reichen. Während Firefox und der Internet Explorer beim Thema Geschwindigkeit hinterherhinken, bieten Safari und Opera ähnliche Leistungen.

Ein weitere wichtiger Punkt ist die Ressourcenbelastung des Rechners bedingt durch den Start und die Laufzeit des Programms. Hierbei zeigen wiederum die Kandidaten Chrome, Opera und Safari gute Werte. Der Start des Programms erfolgt nach dem Klick sehr zügig. Weiterhin wird der PC auch bei mehreren laufenden Fenstern kaum beeinträchtigt. Der Internet Explorer und Firefox weisen hingegen einen spürbar langsameren Programmstart auf und belasten die Ressourcen des PC minimal mehr, wobei Microsofts Lösung noch leicht die Nase vorn hat.

Sicherheit und Datenschutz

Derzeit existieren keine bekannten Sicherheitslücken für den Chrome. Ein etwas schwacher Schutz vor „Phishing“ trübt etwas das sonst gute Sicherheitspaket dieses Browsers. Hinsichtlich des Datenschutzes offenbart sich das wohl größte Manko des Chrome – jeder Browser war ursprünglich mit einer Seriennummer ausgestattet, die bei Installation an Google weitergeleitet wurde. Somit war es für Google möglich, jeden einzelnen User dieses Browsers zu identifizieren. Weiterhin wurde das gesamte Surfverhalten seit der ersten Version des Browsers protokolliert und ebenso für die Google Inc. transparent gemacht. Die Entwickler des Chrome verlauteten zwar, dass die begründeten Sicherheitsmängel mittlerweile behoben wären, Experten beurteilen den Datenschutzaspekt dieses Browsers aber nach wie vor als bedenklich. Allerdings bessert Google an diesem Punkt nach. Die neuste Version verzichtet auf die oben beschriebene ID und bietet mehrere Einstellungen zum Thema Privatsphäre. Manuelle Eingriffe können dementsprechend den Datentransfer an Google größtenteils stoppen, andererseits sorgen immer wieder neu auftauchende datenschutzrelevante Fragen für z. T. große Skepsis.

Sicherheitstechnisch ist die Konkurrenz auf Zack. Beispielsweise bietet Firefox einen effektiven Schutz von Phishing. Warnhinweise vor bösartiger Software schützen den Nutzer gut vor Datenzugriffen Dritter. Ein solide arbeitender Popup-Blocker verbannt nervtötende Werbefenster aus dem Blickfeld. Weiterhin blendet dieser Browser bei Bedarf Informationen ein, wie vertrauenswürdig  eine spezielle Seite ist und visualisiert ggf. deren Verschlüsselungsgrad. Treten trotz aller Faktoren mögliche Sicherheitslücken auf, zeigt die Vergangenheit, dass diese von Mozilla zuverlässig und sehr schnell geschlossen wurden. Erfreulicherweise bieten mittlerweile alle Kandidaten einen “privaten Modus”, welcher eine lokale Datenspeicherung des Surfverhaltens verhindert. Andere PC-Benutzer können bei einer Aktivierung dieses Modus folglich nicht nachvollziehen, welche Aktivitäten im Internet stattgefunden haben.

Insgesamt bieten alle Browser die gängigen Sicherheitsfunktionen und verschaffen dem Internet-User ein brauchbares Maß an subjektiver und objektiver Sicherheit. Lediglich Microsofts Internet Explorer, der aufgrund seiner dominanten Marktmacht nach wie vor die größte Zielscheibe von Sicherheitsangriffen ist, machte hin und wieder mit massiven Sicherheitslücken Schlagzeilen und ist daher mit bedachter Vorsicht zu genießen.

Video von Google – Google Chrome und der Datenschutz

Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=SYLj2X6xaKI&feature=channel

Mobile Endgeräte

Nutzung mobiler Browser in Deutschland; Quelle: "http://gs.statcounter.com/#mobile_browser-DE-monthly-200907-201008-bar"

Da mobile Endgeräte durch den Smartphone-Boom der letzten Jahre bereits massiv Einfluss auf die Internetnutzung genommen haben, werden nachfolgend die wichtigsten Vertreter aufgeführt und deren mögliche Entwicklung veranschaulicht.

Laut einer aktuellen StatCounter Erhebung (siehe Screenshot) hat bei den Mobile Browsern in Deutschland aktuell Apples Mobile Safari weit die Nase vorn. Der auf iPhone und iPod Touch vorinstallierte Browser hat hierbei einen Marktanteil von knapp 62%. Weit abgeschlagen mit 12% ist Nokias Mobile Webbrowser. Opera kann weiterhin 8% des Marktanteiles für sich beanspruchen und Googles Browser für Android Smartphones immerhin etwas mehr als 5%. Da der Markt für mobile Browser noch sehr jung ist und von neuen Anbietern regelmäßig aufgemischt wird, ist die zukünftige Entwicklung schwierig abzuschätzen. Apple wird seine Vormachtstellung hierzulande durch die massive Kundennachfrage zumindest kurzfristig weiter behaupten können. Dabei ist jedoch Google, der erst frisch im Markt der mobilen Browser vertreten ist, ein mehr als ernstzunehmender Konkurrent. So konnte Google etwa den Marktanteil in Nord Amerika binnen eines Jahres von unter 5% auf mittlerweile 17% ausweiten. Weiterhin ist jedoch auffällig, dass der hierzulande so gut wie nicht eingesetzte BlackBerry Browser in Nord Amerika mit 29% die meistgenutzte mobile Plattform darstellt.

Alle mobilen Smartphone Browser haben dabei gemein, dass sie html-Webseiten anzeigen und somit oftmals als vollwertige Alternative zu Desktopbrowsern eingesetzt werden können. Das größte Problem bei der derzeitigen Nutzung sind jedoch Webseiten, die Flash zur Darstellung von Inhalten verwenden. Das ressourcenfressende Plugin wird nach wie vor von kaum einem mobilen Browser vernünftig unterstützt und zunehmend durch Apples Boykot gegen Adobes proprietäre Flash-Technologie vermehrt durch HTML5, einer offenen Technologie, verdrängt. Für den Nutzer ist die derzeitige Situation eher unbefriedigend, da entsprechende Inhalte entweder gar nicht oder nur mit Abstrichen wiedergegeben werden können, sofern keine Anpassungen an mobile Endgeräte vorgenommen wurden. Dabei bleibt zu hoffen, dass der Markt schnellmöglich die technologische Richtung vorgibt, so dass die Verbreitung weiter angekurbelt wird.

Quo Vadis, Internet-Browser?

Googles Chrome ist ein solider, benutzerfreundlicher und sehr schneller Browser. Hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit, Features oder sonstiger Faktoren kann er sich jedoch nicht entscheidend von den anderen kostenlosen Browsern absetzten. Weiterhin bereitet dem Chrome das Thema Datenschutz trotz Nachbesserungen und neuen Einstellmöglichkeiten einen negativen Beigeschmack.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die in der Artikelserie bisher herrschende Dominanz der Google Dienste beim Thema Internet-Browser nicht bestätigt werden kann. Die Vergleichstabelle macht ersichtlich, dass in Firefox, Safari und Opera durchaus ebenbürtige Konkurrenten zu finden sind, wobei jeder Browser dabei seine spezifischen Vor- und Nachteile aufweist.

Tabellarischer Vergleich der vorgestellten Kandidaten

Weitere Teile der Serie

Quellen

One Response to “Google Dienste und Alternativen im Vergleich – Internet-Browser “Chrome””

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