Die Suchmaschine Google ist jedem ein Begriff. Sie ist zum Alltagswerkzeug von Internetnutzern geworden und dominiert den europäischen und amerikanischen Suchmaschinenmarkt. Nicht nur Privatnutzer profitieren von den ausgeklügelten Suchalgorithmen, sondern auch Firmen investieren zunehmend Budget in Google Services wie AdWords und gewinnen auf diese Weise neue Kunden. Kann Google an diesen Erfolg durch die geschickte Vermarktung von kommerziellen Zusatzdiensten für Geschäftskunden anknüpfen?
Zum Teil 1 des Artikels “Google in der Geschäftswelt: Sechs Erfolgsfaktoren
Sechs entscheidende Erfolgsfaktoren (Fortsetzung):
4. Verfügbarkeit
Apple hat es mit iTunes und dem AppStore vorgemacht. Eine zentrale, einfach zugängliche Distributionsplattform zur digitalen Bereitstellung von Dienstleistungen ist ein Schlüsselfaktor zum Erfolg. Andere Unternehmen übernehmen und kopieren diesen für den Kunden vorteilhaften Distributionskanal. Das Google keine Ausnahme darstellt, zeigt sich nicht erst seit dem Android Market für Mobiltelefone, sondern auch in dem erst kürzlich vorgestellten und noch im März startenden Google Solutions Marketplace für Geschäftskunden. Hier werden alle kommerziellen Erweiterungen für Google Apps direkt aus einer Hand angeboten, die bisher dezentrale und kundenunfreundliche Vertriebsstruktur gehört damit der Vergangenheit an.
5. Content
In knapp 20 Kategorien sind mittlerweile mehr als 100 Zusatzservices für bestehende Google Anwendungen verfügbar. Das Portfolio reicht dabei von Sicherheits- und Textverarbeitungstools über Synchronisationssoftware bis hin zu Beratungsleistungen für den richtigen Softwareeinsatz. Die einfache Möglichkeit auf die notwendigen Google APIs zuzugreifen und darauf aufbauend Zusatzservices zu generieren, für die Kunden bereit sind Geld auszugeben, ist für immer mehr Anbieter verlockend. Wo das Angebot stimmt wird auch die Nachfrage mitziehen. Dabei wird sich jedoch zeigen, wie stark die neuen Dienste Nachfrage erfahren werden und ob eine ähnliche Goldgräberstimmung wie anfänglich im AppStore erzeugt werden kann, die den Anwendern in kurzer Zeit eine große Anzahl an Content beschert.
6. Vertrauen
Doch was nutzen alle positiven Grundvoraussetzungen, wenn das Vertrauen der Kunden fehlt? Wenig! Genau hier ist Google ein wahres Problemkind, denn integeres Verhalten gehört aus Sicht vieler Kunden eher nicht zu Googles Stärken. Kundenvertrauen zu erlangen ist alles andere als einfach, gerade in der Geschäftswelt. Umso problematischer ist die Tatsache, dass Google in den Medien als sammelwütige Datenkrake dargestellt wird, bei der die Privatsphäre der Nutzer nicht an oberster Stelle steht. So tut die Veröffentlichung undurchdacht umgesetzter Zusatzdienste wie das erst kürzlich eingeführte Google Buzz ihr Übriges, dieses negative Image weiter zu unterstreichen. Die Tatsache, dass selbst die Politik dabei meinungsbildend eingreift und massiv Kritik übt, verdeutlicht die Brisanz der Lage zusehends.
Fazit
Die Eröffnung des Solutions Marketplace als zentrale Anlauf- und Distributionsplattorm für interessierte Geschäftskunden ist der einzig logische Schritt für Google, die Konkurrenz hat es im Privatkundenbereich bereits erfolgreich vorgemacht. Auf technischer Seite hat der Quasi-Suchmaschinen-Monopolist die besten Voraussetzungen und Know-how für die erfolgreiche sowie schnelle Bereitstellung von neuen Services. Googles Achillesferse ist hingegen zweifelsohne das Kundenvertrauen. Eine unzureichend geschützte Privatsphäre mag vielen Endverbrauchern nicht wichtig erscheinen, solange die Anwendungen weiterhin kostenfrei zur Verfügung stehen. Der Anspruch von Firmenkunden ist jedoch damit in keiner Weise vergleichbar. Das in den Unternehmensdaten steckende Wissen stellt eine zentrale Ressource dar, dessen Wahrung für Firmen eminent wichtig ist. Man muss kein Genie sein um zu verstehen, dass Geschäftsbeziehungen, bei denen sensible Daten betroffen sind, eher nicht mit Partnern geschlossen werden, deren öffentliche Reputation negativ vorbelastet ist. Für Google steigt deshalb die Relevanz, sich vom derzeitigen Daten-Allesfresser-Image zu lösen und somit nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit des eigens ernannten Mottos „Don’t be evil“ („Tue nichts Böses“) nicht weiter zu strapazieren. Gute Software und eine perfekte technische Umsetzung ist das eine, entscheidender Faktor im Geschäftskundensektor jedoch bleibt ein positives Image und das Vertrauen der Kunden.






