Internetbrowser-Vergleich Teil 6: Google Chrome

8 Apr

Jüngst wurde die als unantastbar geglaubte Microsoft-Dominanz bei den Browsern durch einen Beschluss der EU-Kommission gebrochen: Seit dem 1. März 2010 wird der Nutzer eines Windowssystems nach einem automatischen Update mit einem Browserauswahlfenster konfrontiert. Doch welcher ist der beste und für die jeweiligen Bedürfnisse geeignetste Browser?

Das MECK stellt Ihnen in einer 7-teiligen Beitragsserie die fünft am meisten genutzten Browser vor (Internet Explorer, Mozilla Firefox, Safari, Opera, Google Chrome) und vergleicht im letzten Beitrag der Serie alle Kandidaten tabellarisch (Zusammenfassung). Wir beschreiben die wichtigsten Eckdaten, zeigen Usability sowie Features und berücksichtigen ebenfalls den wichtigen Aspekt Sicherheit. Im folgenden Beitrag wird Chrome hinsichtlich aller Kriterien beleuchtet.

Steckbrief

Der Browser Chrome in der aktuellen Version 3 ist der Versuch des kalifornischen Unternehmens Google Inc., sich auch bei den Webbrowsern gegenüber der Konkurrenz durchzusetzen. Der Browser ist erst seit ca. 18 Monaten für den Internetbenutzer verfügbar. Bereits seit der ersten Version zeichnet er sich durch seine sehr hohe Geschwindigkeit beim Surfen und Seitenaufbau aus. Die neusten Versionen von Safari und Opera kommen jedoch inzwischen sehr nahe an diese Leistung heran bzw. übertrumpfen jenen in einzelnen Tests sogar. Schlagzeilen machte der schlicht gehaltene Chrome jedoch bis dahin nicht nur durch ungeahnte Geschwindigkeiten. Der Datensammler Google zapft nämlich allen Benutzern dieses Browsers Informationen über aufgerufene Seiten und Nutzerverhalten ab – was das Gemüt der Datenschützer größtenteils sehr erregte (mehr dazu im Kapitel Sicherheit). Derzeit ist Googles Chrome ausschließlich Windowsnutzern der neuen Generationen vorbehalten, eine Version für Linux oder Mac OS Betriebssysteme ist jedoch noch im ersten Halbjahr 2010 geplant.

Usability und Features

Googles Chrome ist sehr schlicht gehalten und einfach zu benutzen. Der Benutzer wird somit kaum von optischem „Schnik-schnak“ oder aufgeblähten Funktionen abgelenkt. Die neuste Version unterstützt das Tabbed-Browsing und aktualisiert sich von selbst. Wie bereits erwähnt ist der Chrome schon seit der ersten Version im Jahre 2008 außergewöhnlich schnell. Gleichzeitig wird man sehr gut vor Browserabstürzen bewahrt – Unterfenster werden in Chrome als getrennte Prozesse behandelt, sodass ein Fehler in einem isoliert behandelten Tab nicht das übergeordnete Browserfenster zum Absturz bringt. Ausländische Seiten werden automatisch übersetzt und neuste Webstandards z. T. unterstützt. Auch eine Safari-ähnliche „Top-Sites“ Funktion ist in Chrome 3 enthalten, meist genutzte Seiten werden übersichtlich angezeigt (siehe unterstehendes Bild). Der Browser bietet zwar keine funktionalen Erweiterungen wie Firefox, allerdings lässt sich die Optik individuell gestalten, indem aus einem Pool von „Themes“ ansprechende Designs ausgewählt und installiert werden können.

Sicherheit

Derzeit existieren ähnlich wie beim Opera keine bekannten Sicherheitslücken für den Chrome. Ein etwas schwacher Schutz vor „Phishing“ trübt aber etwas das sonst gute Sicherheitspaket dieses Browsers. Hinsichtlich des Datenschutzes offenbart sich das wohl größte Manko des Chrome: Jeder Browser war ursprünglich mit einer Seriennummer ausgestattet, die bei Installation an Google weitergeleitet wurde. Somit war es für Google möglich, jeden einzelnen User dieses Browsers zu identifizieren. Weiterhin wurde das gesamte Surfverhalten des Nutzers schon mit der ersten Version des Browsers protokolliert und für die Google Inc. transparent gemacht. Die Entwickler des Chrome verlauteten zwar, dass die begründeten Sicherheitsmängel mittlerweile behoben wären, Experten beurteilen den Datenschutzaspekt dieses Browsers aber nach wie vor für bedenklich. Manuelle Eingriffe können einerseits den Datentransfer an Google größtenteils stoppen, andererseits sorgen immer wieder neu auftauchende datenschutzrelevante Fragen für große Skepsis.

Fazit

Googles Chrome hinterlässt ein sehr fragwürdiges Bild. Zum einen sind Geschwindigkeit, Usability und Benutzerfreundlichkeit vorbildlich, der Browser lässt sich sogar zu einem gewissen Maße optisch individualisieren. Zum anderen ist die Datenschutzpolitik des Browsers sehr kritisch zu beurteilen. Ohne manuelle Eingriffe ist der Browser für Google ein weiteres Instrument, Daten über das Nutzerverhalten der Internetbenutzer effektiv zu sammeln. Experten befinden diesen Browser gerade hinsichtlich dieser Datenschutz- und Datensicherheitsaspekten nach wie vor als äußerst bedenklich. Sollte an diesem Punkt in den kommenden Versionen nachhaltig zugunsten der Nutzer gearbeitet werden, erweist sich der Chrome als eine echte Alternative zu den anderen bekannten Browsern – allerdings derzeit noch ausschließlich für Windowsnutzer.

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Quellen

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